“Dank an Cádiz und an seine ganze Provinz….an Andalusien, ob seiner Eigenschaft als Muse Gottes”
José Luis Figuerola Franco, “El Barrio”
Liedermacher
Seit dem 16. Jahrhundert begleiten die Pilger aus Conil ihren Schutzheiligen im Rahmen einer ‘romería’ (volkstümlich-religiöse Prozession), sobald der Tag des ‘San Sebastián’ anbricht. Dabei kommen über 20.000 Menschen zu einer Feier in den Pinienwäldern von El Colorado zusammen, die bis in die frühen Morgenstunden dauert. Dieses Jahr wird das Fest, das auch unter der Bezeichnung “Romería de los Palmitos” (Palmherzenprozession) bekannt ist, am 21. Januar gefeiert, jenem Sonntag, der dem Tag des Heiligen Sebastian am nächsten liegt.
Zwar verschwand die Wallfahrtskapelle im Verlauf des 19. Jahrhunderts und geriet dann in Vergessenheit, dann jedoch, vor 25 Jahren, kehrte das Fest mit mehr Kraft als je zuvor zurück. Heute dient es dazu, mit den Freunden die freie Natur zu geniessen, den Gesang, den Tanz, ohne dabei freilich den religiösen Aspekt zu vergessen.
Die Feier beginnt recht früh, mit dem Gesang eines Rociero-Chores in der Nuestro Padre Jesús Nazareno-Kirche, einer Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, die mitten in Conils Altstadt, gegenüber der ‘Torre de Guzmán’ liegt. In der Kapelle wird das Bildnis des Schutzheiligen aufbewahrt.
Mit dem Ende der Messe, gegen neun Uhr, beginnt die Prozession Richtung El Colorado; die ‘romería’ ist auch als ‘Romería de los Palmitos’ bekannt, hatten doch die jungen Leute einst den Brauch, an diesem Tage Palmherzen zu sammeln und diese dann im Pinienwald zu verzehren. Heute ist dies, aufgrund einer Sondererlaubnis, einer der wenigen Orte, an dem man diese wilde Leckerei geniessen kann.
Und so zieht dann, entlang der Carreta del Patrón, eine Musikkapelle, der mehrere mit Blumen, Girlanden, Decken und Laternen buntgeschmückte Pferdekutschen folgen.
Drinnen, Pilger, die, in andalusische Trachten gehüllt, Sevillanas und Rumbas singen…
Pferdegespanne, Karren und Kutschen aus verschiedenen Teilen der Provinz, mit Blumen und anderem Zierrat geschmückt, schliessen den Umzug ab. Letzterer zieht durchs ganze Ortszentrum, dabei den ‘Arco de la Villa’ durchquerend, Teil der alten Stadtmauer, bis er schliesslich zur Calle Rosa de los Vientos kommt, wo sich ihm weitere Gespanne und Fussvolk anschliessen, die dort bereits versammelt sind.
Zahlreiche Coniler und auswärtige Besucher verabschieden so die Prozession, bevor diese sich aufmacht, um über den “Camino del Pradillo” in das Pinienwäldchen des Gemeindeteils “El Colorado” zu gelangen.
Der Spaziergang
‘El Paseo’, der “Spaziergang” der Pilger durch die Obst- und Gemüsefelder der Gemarkung Conil gestaltet sich angenehm, fröhlich und festlich. Dabei geniessen die Romeros die sanfte Morgenbrise, dabei ihre Kehlen mit populären Weisen und dem schmackhaften heimatlichen Wein aufwärmend.
Die zufälligen Zusammentreffen mit Bekannten und Familienangehörigen, die Trachten der Reiter und der Reiterinnen, die fröhlich mit Girlanden geschmückten Pferdegespanne, all dies in einer Naturlandschaft wie dem Pinienwald von El Colorado, machen diese Romería zu einem festlichen Ereignis, das man einfach erleben muss.
Schon am späten Vormittag gelangt die Procesión an eine kleine Kapelle, die Einsiedelei der ‘Virgen de Fátima’, wo dem Schutzheiligen ein Gebet gewidmet wird und wo man eine Statue des San Sebastián hinterlässt, eine Büste von grossem künstlerischem Wert, die der Bildhauer Pedro Daín im Jahre 1588 anfertigte.
Im Pinienwäldchen
Leute aus Conil und aus den umliegenden Ortschaften kommen nun in den Pinienwald, wo man einen angenehmen Tag in der Natur geniesst, und wo Eintöpfe, Schinken und Wurst und, warum nicht, Gesang, Tanz und Lachen geteilt werden.
Im Pinienwäldchen werden dann Getränkebuden, Trocken-Früchte- und Palmherzen-Stände sowie andere Attraktionen aufgeschlagen, so dass für Jung und Alt etwas dabei ist.
Der Rücktransport des Schutzheiligen beginnt etwa gegen sechs Uhr abends von der ‘Parroquia de Fátima’ aus, um dann gegen 21 Uhr in der Nuestro Padre Jesús Nazareno-Kirche zu enden. Die Festabteilung des Rathauses von Conil organisiert Pferdekutschen- und Fotowettbewerbe, um den Fortbestand des Festes zu garantieren.
An der Küste
Conil ist ein Küstenort phönizischen Ursprungs, eng verbunden mit dem Meer, war doch die lokale Wirtschaft immer auf die eine oder andere Weise mit dem Atlantik verbunden. Das Meer zum Arbeiten, zum Fischen, zu Essen und zum Geniessen.
Heute ist Conil einer jener Cádizer Küstenorte mit der grössten touristischen Anziehungskraft, einen sich doch hier das gute Klima und die kulinarischen Freuden mit dem Liebreiz der typisch andalusischen Dörfer: weiss gekalkte Häuser mit blumengeschmückten Innenhöfen und gastfreundiche Menschen, die stets dazu bereit sind jene zu empfangen, die sie besuchen wollen.
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